Hansa Wadkar

Hört zu, ich erzähle!

Aus dem Leben einer indischen Schauspielerin

Aus dem Marathi übersetzt, mit einer Einführung und einem Nachwort

von Adele Henning-Tembe

 

 Mit diesem Buch liegt erstmals eine deutsche Übersetzung der Lebenserinnerungen der Schauspielerin Hansa Wadkar (1923-1971) vor. Bereits 1970 in der Regionalsprache Marathi erschienen, gelten sie bis heute als eine der wichtigsten indischen Frauen-Autobiographien. Sie gewähren nicht nur Einblicke in die Anfänge des indischen Films, sondern auch in das Gefühlsleben und die Kämpfe einer indischen Frau.

Hansa Wadkar bestritt mit ihren Einkünften als Schauspielerin den Lebensunterhalt ihrer Familie. Ihre eigenen Wünsche als Tochter, (Ehe-) Frau und Mutter musste sie dabei immer wieder hintanstellen. Beruflich war sie überaus erfolgreich. Sie spielte in über 50 Filmen mit und avancierte in den 1940er Jahren zu einer der populärsten Schauspielerinnen des indischen (Marathi) Regionalkinos.

„Ich war erschüttert. Achyut-Raos Satz „Ich glaube nicht, dass sie die Rolle spielen kann“ hatte mich tief verletzt. Ich bin keine wahre Künstlerin, sagte ich mir. Ich kam nach Hause und erzählte es meinem Vater. „Du spinnst!“, sagte er. „Du sollst nicht spielen können? Beim Singen war es doch genauso!“ Dennoch betete ich das noch eine Weile vor mich hin: Ich kann nicht spielen. Ich bin keine Künstlerin. Danach spielte ich in Ramjoshi. Was wäre, wenn ich wie damals bei Sant Sakhu mit dem Singen, auch jetzt darauf beharrt hätte, nicht mehr zu spielen?

Aber es war nun mal meine Leidenschaft. Deshalb vergaß ich schließlich diese Beleidigung und spielte weiter. So ist es in diesem Geschäft. Hast du einmal den Fuß hineingesetzt, bleibt er darin stecken. Wenn man nicht spielt, wird man unruhig – ja verrückt. Deshalb denke ich immer, dass das nicht stimmt, wenn all diese Schauspielerinnen sagen, dass sie nach ihrer Heirat den Film aufgeben werden. Die Leidenschaft eines wahren Künstlers schwindet nie.“

Hansa Wadkar, S. 57

 

 

         2020,  152 Seiten, 15,00 Euro,  ISBN 978-3-945191-51-4 


„Von Kindheit an war ich es gewöhnt, das verdiente Geld dem Familienoberhaupt zu geben. Früher hatte ich es  gegeben, und nach der Heirat Bandarkar. Ich selbst behielt nur ein Taschengeld. Gingen wir mit Dhumals Theaterstücken für zehn Tage auf Tour, bekam Bandarkar Geld für sieben Tage im Voraus. Für die restlichen drei Tage gab es kein Geld. Wenn wir von der Tour zurückkamen, fragte Bandarkar „Hast du das Geld für die restlichen drei Tage bekommen?“ Verneinte ich, so rief er: „Wozu arbeitest du? Brauchen wir deine Arbeit überhaupt?“ Doch ich spielte ja aus Begeisterung!“    

Hansa Wadkar,  S. 79 


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